Grammatik – ein Kinderspiel?

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Russisch verfügt über einen sehr großen morphologischen Reichtum. Das hat zur Folge, dass die Grammatik eine relativ große Rolle im Russischunterricht spielt. Die Möglichkeit, über einen langen Zeitraum hinweg mithilfe von Chunks zu kommunizieren, wie es im Englisch- und Spanischunterricht möglich ist, fehlt im Russischen aufgrund des Formenreichtums.

Grammatik hat im aktuellen fachdidaktischen Verständnis zwar „nur” eine dienende Funktion und wird nicht um ihrer selbst willen gelernt, d. h., neu einzuführende grammatische Phänomene orientieren sich an einer konkreten Kommunikationssituation. (Dies stimmt allerdings nicht ganz, denn die Vorgaben des GER zwingen die Lehrbuchautor:innen dazu, bestimmte Kommunikationssituationen so zu konstruieren, dass ein bestimmtes grammatisches Phänomen eingeführt werden kann.). Dennoch muss in einer so formenreichen Sprache wie dem Russischen Grammatik explizit eingeführt werden. Nur durch eine gut didaktisierte und ggf. didaktische reduzierte Einführung und eine anschließende Übungsphase haben die Lernenden überhaupt eine Chance mit der Formenvielfalt zurechtzukommen.

Tipps für angehende Russischlehrer:innen

Damit dies gelingt, braucht es eine gute Vorbereitung – und solide linguistische Kenntnisse! Immer wieder begegnen mir Studierende und Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (meist mit herkunfts- oder muttersprachlichen Vorkenntnissen), die nicht wissen, wie sie Grammatik vermitteln sollen. Sie stellen (im besten Fall) bei der Vorbereitung fest, dass sie selbst keinen systematischen Überblick über die russische Sprache haben. Daher sei jeder:m angehender:m Russischlehrer:in geraten, sich so früh wie möglich im Studium einen fundierten Überblick über die funktionale Grammatik des Russischen zu verschaffen. Da es teilweise Unterschiede zwischen der deutschen und sowjetischen / russischen Grammatikschreibung gibt, ist es notwendig, hierfür auf deutsche Grammatiken für das Russische zurückzugreifen! Nur ein (eklatantes) Beispiel für bestehende Unterschiede: Während in russischen Grammatiken der „I. Deklination die femininen Substantive auf -a/-я“ zugeordnet werden, gehören in deutschen (Schul-) Grammatiken der I. Deklination die maskulinen / neutra Substantive an.

Auch im digitalen Zeitalter empfehle ich jeder:m mindestens eine gute Grammatik des Russischen (auf Deutsch) im Regal stehen zu haben, um im Zweifelsfall dort hineinschauen zu können.

Empfehlungen für Grammatiken des Russischen

  • Bendixen, Bernd; Voigt, Wolfgang (2003): Russisch aktuell. Erklärt – geübt – beherrscht. 2., überarb. Aufl. der Neufassung 1999. Wiesbaden: Harrassowitz.
  • Kirschbaum, Ernst-Georg (2016): Grammatik der russischen Sprache. 1. Auflage, 7. Druck. Berlin: Cornelsen.
  • Kirschbaum, Ernst-Georg; Kretschmar-Tauscher, Elisabeth (1995): Kurze russische Sprachlehre. 14., unveränd. Aufl. Berlin: Volk-und-Wissen-Verl.
  • Mulisch, Herbert (1996): Handbuch der russischen Gegenwartssprache. 2. Aufl. Leipzig: Langenscheidt Verl. Enzyklopädie.

(Ältere Ausgaben gibt es in Buchantiquariaten günstig zu kaufen!)