„Mit der Welt in Beziehung zu treten heißt, sich Welt anzuverwandeln. Auch in der Lernwelt Schule. Unterricht gelingt, wenn es im Klassenzimmer knistert.“ (Rosa/Endres 2016)
Wir starten mit einem kleinen Gedankenexperiment! Denke an Deine Schulzeit und erinnere Dich an eine Situation, in der es im Klassenzimmer geknistert hat.
Wie hat sich die Situation angefühlt? Woran hast Du gemerkt, dass es geknisert hat? Wer oder was hat diese Situation ausgelöst?
Sehr wahrscheinlich hast Du bei diesen Gedanken gerade gelächelt, Deine Augen haben gefunkelt und Du bist voller positiver Emotionen.
Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa ist mit seinem Buch „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ bekannt geworden. In diesem entwirft er die Resonanztheorie, aus der er später auch die „Resonsanzpädagogik“ entwickelt hat. Resonanz versteht Rosa dabei nicht als Gefühlszustand, sondern als Beziehungsmodus. Elemente einer Resonanzbeziehung können dabei Berührtwerden, Selbstwirksamkeit, wechselseitige Transformation, Unverfügbarkeit und ein entgegenkommender Resonanzraum sein. Angst, Zeitdruck, Stress, Konkurrenzkampf, Wettbewerb und Qualitätskontrolle stehen hingegen per se dem Aufkommen von Resonanz entgegen.
Rosa und Endres haben im Rahmen ihrer Arbeit zur Resonanzpädagogik das didaktische Dreieck zum „Resonanzdreieck“ weiterentwickelt. Damit beschreiben sie, wie die Schule zum Resonanzraum werden kann. Jedes der drei Felder (Lehrer:in / Schüler:in / Lerngegenstand) leistet dabei einen Beitrag, um Resonanz auszulösen und anzunehmen. Der/die Lehrer:in erreicht die Schüler:innen, indem er Begeisterung vermittelt und sich gleichzeitig auch beühren lässt. Die Schüler:innen sind offen, lassen sich vom Lerngegenstand fesseln und fühlen sich gleichzeitig gesehen und gut aufgehoben. Der Lerngegenstand ist sowohl für Lehrende als auch für Lernende bedeutungsvoll und bietet inhaltliche „Berührungspunkte“ (Rosa/Endres 2016). Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei auch die Lernräume.
Auch wenn der Begriff (und das dahinterliegende Konzept) Resonanzpädagogigk in immer mehr erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Richtungen rezipiert und thematisiert wird, gibt es wissenschaftliche Uneinigkeit darüber, inwieweit „Resonanz“ empirisch erfasst werden kann. Vielmehr scheint sie nur über empirisch zugängliche Konstrukte indirekt erschlossen werden zu können (wie z.B. das etablierte Konzept Selbstwirksamkeit).
Jenseits der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit lässt sich aber festhalten, dass Resonanz in Schulen, Klassenräumen und beim Lernen eine große Rolle spielt. Es ist schwer zu erklären, aber sofort zu spüren, wenn Lehrende und Schüler:innen in einer Stunde zusammen eine resonante Lernumgebung schaffen! Beobachte es, fühl es und überlege, wie Du selbst resonante Lernerfahrungen mit und für Deine Schüler:innen gestalten kannst.

- Plikat, Jochen (2020): Resonanz als Konzept Kritischer Fremdsprachendidaktik. In: David Gerlach (Hg.): Kritische Fremdsprachendidaktik. Grundlagen, Ziele, Beispiele. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag, S. 145–164.
- Rosa, Hartmut (2019): Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Erste Auflage. Berlin: Suhrkamp (suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 2272).
- Rosa, Hartmut (2016): Resonanzpädagogik wenn es im Klassenzimmer knistert. Unter Mitarbeit von Wolfgang Endres und Julius Beltz GmbH & Co. KG: Beltz.


